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Hospiz: Ort der Lebensqualität

Lebensqualität. Ein Wort, das bei uns im Hamburg Leuchtfeuer Hospiz eine besondere Bedeutung erfährt. Auch Marc Bierboms weiß davon zu berichten. Ein halbes Jahr lebte er bei uns im Hospiz. Die Lebensqualität hier hat ihm sogar eine neue Lebensperspektive ermöglicht. Und das, obwohl es zuerst überhaupt nicht danach aussah.

Viele Jahre reiste Marc für seinen Arbeitgeber durch die Welt. Eine aufregende, aber auch stressige Zeit. Der passionierte Segler entschied sich dazu, aus seinem Beruf und seinem bisherigen Leben auszusteigen und die Welt zu umsegeln. Im Frühjahr 2019 ging es los. Erstes Fernziel: Südamerika. Doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend, noch auf Lanzarote kam er ins Krankenhaus. Nach der Verlegung in eine Klinik in Deutschland folgte die Diagnose: Krebs, der bereits bis in die Lunge gestreut hatte. Eine lange Behandlungsphase begann: “Es gab zwar keine genaue Prognose, aber im Frühjahr 2023 war mir beim Blick auf die Werte klar: Es wird eine Frage von wenigen Monaten sein.” Mit dieser Aussicht zog Marc im April 2023 ins Hamburg Leuchtfeuer Hospiz ein.

„Ich habe mich hier total aufgefangen gefühlt“

Seine Erkrankung hatte ihn stark geschwächt, schon kleinste körperliche Anstrengungen waren unmöglich. “Ich war aufgrund der Krankheit sehr abhängig, was für mich ganz unangenehm war. Meine Selbstständigkeit ist mir immer sehr wichtig gewesen.” Doch durch die neu gewonnene Lebensqualität im Hospiz wurde ihm bewusst, wie wichtig dieser Ort ist, gerade in der gesundheitlichen so schweren Phase. “Der erste Eindruck vom Haus und von meinem Zimmer war ‘Wow’. Mit dem bunten Papageien-Bild an der Wand und dem tollen Blick aus meinem Fenster im zweiten Stock – kein Vergleich zu meinen Aufenthalten vorher. Ich habe mich hier total aufgefangen gefühlt, auch und vor allem dank der tollen Menschen hier im Hospiz.”

Marc Bierboms bei der Kunsttherapie im Hamburg Leuchtfeuer Hospiz

Marc bei der Kunsttherapie im Hamburg Leuchtfeuer Hospiz

Struktur, Sicherheit und positive Energie

Schnell konnte Marc das gesamte Angebot im Hospiz in Anspruch nehmen und genießen: “Ich male und spreche total gerne mit der Kunsttherapeutin. Die Musiktherapie war für mich als leidenschaftlicher Musiker ebenfalls wirklich toll.” Neben weiteren Angeboten zur körperlich-seelischen Entspannung und dem “hervorragenden Essen der hauseigenen Küche” sind es auch die Ruhe, die vielen Gespräche mit den Menschen und die gute Pflege, die Marc im Gedächtnis bleiben: “Die gesamte Fürsorge und die medizinische Betreuung haben mir Struktur und so viel Sicherheit gegeben und ganz viel von meiner Panik genommen, zum Beispiel bei meiner Atemnot. Diese unglaublich positive Energie hier gefällt mir wirklich sehr. Dadurch ist meine Zeit hier trotz der schweren Krankheit mit etwas Positivem verbunden.”

Hospiz-Koch Ruprecht Schmidt bei einem Bewohner

Ein wichtgier Teil der Lebensqualität im Hospiz: das hausgemachte Essen, bei Bedarf auch im Zimmer serviert.

Entscheidende Lebensqualität

Ein halbes Jahr war Marc bei uns im Haus – bis das anfangs Undenkbare geschieht: Marc kann wieder aus dem Hospiz ausziehen. “Zusammen mit der medizinischen Betreuung hat die vielfältige Fürsorge hier im Hospiz mir so viel Kraft gegeben. Mein Körper hat sich dadurch stark erholt und die Krankheit schreitet nicht mehr fort. Das ist wirklich unglaublich. Und ich bin fest überzeugt davon, dass diese Lebensqualität hier im Hospiz entscheidend dazu beigetragen hat.”

Marc beim Spazierengehen auf St. Pauli vor dem Hospiz.

Marc beim Spazierengehen auf St. Pauli

Eine neue Lebensphase beginnt

Marc bereitete sich daraufhin auf die Zeit nach dem Hospiz vor, übte auf St. Pauli wieder das selbstständige Spazierengehen, stärkte sich bei der Physiotherapie und organisierte mit Unterstützung der Sozialarbeiterin das Leben danach. “Das war gar nicht so leicht, denn mein altes Leben hatte ich ja abgewickelt. Materiell und mental.” Doch bei allen Herausforderungen blickt Marc nun gespannt auf das, was jetzt kommt. “Ich weiß nicht, wie lange diese neue Lebensphase dauern wird. Aber es ist schön, Dinge zu tun und zu planen, von denen man nicht mehr gedacht hätte, sie nochmal zu tun.“


Über das Hamburg Leuchtfeuer Hospiz

Das Hamburg Leuchtfeuer Hospiz auf St. Pauli bietet seit 1998 Menschen mit schweren Erkrankungen den Raum für ein würdevolles Leben mit ihrer Krankheit, für einen würdevollen Abschied von ihrem Leben sowie für Zugewandtheit und Fürsorge in der letzten Lebensphase. 

Jedes Jahr kommen rund 100 Menschen ins Hamburg Leuchtfeuer Hospiz – für die meisten von ihnen ist es das letzte Zuhause. Einige wenige Menschen können jedoch wieder ausziehen, so wie Marc. Für sie sind unsere Angebote nicht weniger wichtig. Denn ihnen bieten wir in einer gesundheitlichen Krisensituation Halt, Sicherheit und Lebensqualität. Um dies sicherzustellen, sind wir dauerhaft auf Ihre Unterstützung angewiesen. Alle Möglichkeiten, uns zu unterstützen, finden Sie hier.

Alle Bilder: (c) Hamburg Leuchtfeuer