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„Aufwind ist mein sicherer Hafen.“

Vor über drei Jahren kommt Detlef (Name geändert) zu Hamburg Leuchtfeuer Aufwind. Er steht damals kurz vor der Obdachlosigkeit. Er lebt mit HIV, ist über 60 Jahre alt und kämpft mit finanziellen Sorgen und großer Angst vor dem, was kommt.

Als Detlef und unser Sozialpädagoge Thomas aus dem Aufwind-Team, sich zum ersten Mal begegnen, weiß Thomas sofort: Jetzt muss schnell gehandelt werden. Gemeinsam schaffen sie es, die Räumungsfrist seiner Wohnung verlängern zu lassen. Kurz darauf findet Detlef über das Amt für Wohnungslosigkeit sogar eine neue Wohnung. Schritt für Schritt ordnen Thomas und Detlef gemeinsam die Dinge, die aus dem Gleichgewicht geraten waren: Finanzen, Behördenpost und medizinische Versorgung.

Aufwind-Mitarbeiter Thomas begrüßt einen Klienten an der Haustür von Aufwind.

Thomas empfängt einen Klienten bei Aufwind.

Ein sicherer Hafen für Struktur im Alltag
Heute kann Detlef wieder einen Mini‑Job ausüben und seinen Alltag stabiler gestalten. Unterstützt wurde er dabei auch durch das starke Netzwerk rund um Aufwind: Eine Stiftung half ihm zum Beispiel bei seiner Zahnsanierung. Aufwind ist für Detlef ein sicherer Hafen geworden. Einmal die Woche, bei Bedarf öfter, treffen sich Thomas und Detlef, gehen gemeinsam zu Terminen und schaffen Struktur im Alltag. „Wenn ihr nicht da gewesen wärt, wäre ich in der Obdachlosigkeit gelandet“, sagte Detlef einmal zu Thomas.

Thomas im Gespräch mit Kollegin Nicola von Aufwind.

Thomas im Gespräch mit Kollegin Nicola von Aufwind.

Unsicherheit und Hürden bestehen weiter
Gerade im zurückliegenden Pride Month erinnern uns Geschichten wie die von Detlef daran, warum Orte wie Aufwind so wichtig sind: Die psychosoziale Begleitung von Hamburg Leuchtfeuer entstand in der Hochphase von HIV und Aids – eng verbunden mit den Erfahrungen und Kämpfen queerer Menschen. Bis heute erleben viele Betroffene Ausgrenzung, Unsicherheit und strukturelle Hürden.Aufwind will deshalb mehr sein als Unterstützung im Alltag: ein sicherer Hafen, ein Netzwerk und eine Gemeinschaft.

Warum Aufwind auch heute noch wichtig ist
Seit über 30 Jahren stehen Aufwind und das gesamte Team solidarisch an der Seite von Menschen mit HIV und entwickeln in Zeiten großer Not neue lebenswerte Perspektiven mit ihnen. 1995 sind Menschen bei Hamburg Leuchtfeuer zusammengekommen, weil andere Menschen mit HIV ausgegrenzt, stigmatisiert und oft allein gelassen wurden. Damals war HIV sichtbar. Die Angst war sichtbar. Das Sterben war sichtbar.

Heute ist zum Glück vieles anders. Und doch erlebt das Team bei Aufwind, dass HIV keineswegs verschwunden ist. Dies zeigen auch schon die aktuellen Zahlen zu HIV und AIDS in Hamburg. Die Menschen, die zu Aufwind in die Baakenallee kommen, tragen häufig mehr als eine Belastung:  HIV, Migration, Queerfeindlichkeit, Einsamkeit, Armut, Rassismus, psychische Erkrankungen, unsichere Wohnsituationen, Erfahrungen von Gewalt oder Ausgrenzung.

Mitarbeiterin von Aufwind gemeinsam mit Klient in Sitzecke.

Aufwind-Mitarbeiterin Tina im Gespräch mit einem Klienten.

Das Wissen und die Aufmerksamkeit schwinden
Viele von ihnen können ihre Geschichte nicht laut erzählen, können sich nicht öffentlich zeigen. Manche fürchten bis heute ein Outing, wiederum andere haben Angst vor Ablehnung in der Familie, am Arbeitsplatz oder in ihrer Community. Manche tragen ihre HIV-Diagnose seit Jahren im geheimen mit sich herum. “Wir erleben hier, dass das Wissen über HIV wieder abnimmt”, sagt Silke Germann von Aufwind. “Gerade jüngere Menschen wissen oft erstaunlich wenig über HIV. Vorurteile tauchen wieder auf. Unsicherheiten bleiben bestehen. Stigmatisierung verschwindet nicht von allein.”

Das Wissen und die Aufmerksamkeit gegenüber HIV ins Gedächtnis zu rufen und wach zu halten und Betroffenen zur Seite zu stehen, ist der tägliche Antrieb des Teams bei Aufwind.

Wenn Sie oder du HIV haben und Hilfe im Alltag benötigen oder einen Menschen kennen, der diese Hilfe brauchen könnte, dann steht das Team gerne für Anfragen zur Verfügung.

Hier gibt es alle Kontaktdaten und weitere Infos zur Arbeit von Aufwind.