Unser Wohnprojekt Festland: 5 Jahre Gemeinschaft unter einem Dach
Ein Teil von unserem Wohnprojekt Festland zu sein bedeutet mehr als nur zusammen zu wohnen. Hier sind Alltag, Rückhalt und Selbstständigkeit miteinander verknüpft. Diese Gemeinschaft gibt Halt, wenn das Leben besondere Stärke verlangt.
Verbundenheit zeigt sich bei Festland im Verständnis füreinander. Und dadurch, dass Unterstützung da ist, wenn sie gebraucht wird. Wie das konkret aussieht, und wie stärke und Zuversicht aus dieser Gemeinschaft entstehen, erzählt uns unsere Festland-Bewohnerin Anna.

Gemeinschaft, auch nach außen: Das Sommerhappening empfängt jedes Jahr zahlreiche Gäste und Besucher*innen (c) Hendrik Lüders
Mehr als ein Zuhause
Seit fünf Jahren wohnt Anna gemeinsam mit über 30 weiteren Menschen bei Festland, unserem Wohnprojekt für junge chronisch kranke Menschen. Anna lebt seit ihrer Geburt mit einer seltenen chronischen Bindegewebserkrankung, die ihren Alltag erheblich beeinflusst. Festland ist für sie nicht nur ein Zuhause, in dem besser auf ihre körperlichen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. Sondern ein Ort, an dem auch die zwischenmenschliche Verbundenheit und die Akzeptanz für die anderen gepflegt werden:
„Als Bewohnerin von Festland weiß ich, dass Verbundenheit mehr ist als einfach nur Gesellschaft. Für mich bedeutet sie, gesehen zu werden, ohne sich erklären zu müssen. Sich nicht mehr verstecken zu müssen und das Gefühl zu haben, dass man mit seinen Sorgen und Problemen nicht alleine ist.“

Gelebte Verbundenheit im Alltag: Anna mit Festland-Nachbarin Simone. (Foto: privat)
Verbundenheit schafft Halt
„Verbundenheit ist nichts Selbstverständliches. Sie entsteht nicht einfach so. Besonders nicht in einer Gesellschaft, in der viele Menschen vereinsamen, obwohl sie von anderen umgeben sind. Wo Stärke oft mit Unabhängigkeit verwechselt wird und Schwäche mit Scheitern.
Gerade deshalb ist ein Ort wie Festland so besonders. Hier zählt nicht, was man leisten kann, sondern dass man da ist. Dass man ein Mensch ist, mit allem, was dazugehört: Zweifeln, Wünschen und Hoffnung. Viele von uns haben einen schweren Weg hinter sich. Zum Beispiel durch Krankheit, Einsamkeit, Verlust oder innere Kämpfe. Wir alle tragen Geschichten, die nicht jeder Mensch versteht. Und doch entsteht hier zwischen uns eine ganz besondere Art von Nähe: Ganz langsam über mittlerweile schon fünf Jahre, aber dafür ehrlich. Es sind nicht immer die großen Gesten, sondern die kleinen Dinge, die hier Verbundenheit spürbar machen: Ein Lächeln beim gemeinsamen Kaffeetrinken in der Sprechstunde. Ein Gespräch im Flur, auch wenn man gerade mal keinen guten Tag hat. Oder eine hilfreiche Hand bei einem alltäglichen Problem, die nicht weit weg ist.
Ich habe hier gelernt, dass ich mich nicht verstellen muss. Dass auch meine verletzliche Seite Platz hat. Und dass Heilung nicht in Isolation passieren muss, sondern im Miteinander. Manchmal ist schon allein die Anwesenheit eines anderen Menschen in ähnlicher Lage der Trost, den man gerade braucht. Bei Festland darf ich das erste Mal so sein, wie ich wirklich bin: nicht perfekt, aber echt. Und genau deswegen bin ich hier mit anderen Menschen mittlerweile so eng verbunden: weil wir uns gegenseitig halten, besonders wenn das Leben schwer ist.“

Chronische Erkrankungen gehören für die meisten Bewohner*innen von Festland mit dazu. Der gegenseitige Austausch dazu ist wertvoll. (c) Axel Martens
Für mehr Menschlichkeit
„Diese Form von Miteinander ist auch ein Bild dafür, wie unsere Gesellschaft menschlicher werden könnte. Nämlich indem wir wieder mehr hinschauen, zuhören und einander Raum geben. Wenn wir endlich erkennen, dass Würde nicht von Gesundheit oder Erfolg abhängt, sondern davon, wie wir miteinander umgehen.
Festland zeigt aber auch, dass Verbundenheit heilen kann. Dass ein soziales Netz in schweren Situationen nicht nur auffängt, sondern auch trägt. Und dass alle Menschen einen Ort brauchen, an dem man ankommen darf. Hier bin ich ein Teil von etwas ganz Besonderem und Positivem geworden. Und dafür bin ich jeden Tag unheimlich dankbar.“
Dass wir Anna und den weiteren Bewohner*innen von Festland diese Verbundenheit ermöglichen können, verdanken wir allen Menschen, die den Bau und die tägliche Arbeit im Wohnprojekt mit ihrer Spende möglich gemacht haben und möglich machen. Alle Möglichkeiten, uns auch in Zukunft zu unterstützen, finden Sie hier.
Weitere Informationen:
Titelfoto: Axel Martens
Onlineauftritt der HafenCity Hamburg





Hendrik Lüders